
It's a Sin – Der provokante Welthit der Pet Shop Boys
Autor: Sascha Tremper
Das Jahr 1987
Wir schreiben das ereignisreiche Jahr 1987: Während der Feierlichkeiten zum 750-jährigen Bestehen West-Berlins fordert US-Präsident Ronald Reagan mit den berühmten Worten „Mr. Gorbachev, tear down this wall!“ den sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow zum Abriss der Berliner Mauer auf.
In China demonstrieren in der Neujahrsnacht rund 1.000 Studenten auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking für Demokratie und Pressefreiheit.
In Bonn empfängt Bundeskanzler Helmut Kohl den DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker – ein historischer Moment im innerdeutschen Dialog.
Und die Pet Shop Boys veröffentlichen einen Song, der zu einem ihrer größten Erfolge werden sollte: It's a Sin.
Die Entstehung
Die ersten Ideen zu It's a Sin entstanden bereits 1982 im Studio von Ray Roberts in Camden, wo Neil Tennant und Chris Lowe in ihren Anfangsjahren gemeinsam Songs entwickelten.
Eine frühe Demo gehörte zu den Aufnahmen, die Neil Tennant dem New Yorker Produzenten Bobby Orlando vorlegte. 1984 nahmen die Pet Shop Boys eine weitere Version mit Orlando auf, die allerdings nie veröffentlicht wurde. Die grundlegende Struktur des Songs blieb jedoch erhalten. Für die endgültige Produktion von 1987 erhielt das Stück einen deutlich dramatischeren Klang.
Inspiriert wurde Neil Tennant von seinen Erfahrungen an der katholischen St. Cuthbert's High School in Newcastle upon Tyne. Besonders die Konflikte zwischen seiner religiösen Erziehung und seiner Homosexualität prägten die Entstehung des Liedes.
Der Inhalt
Im Refrain singt Neil Tennant:
„Everything I've ever done, everything I ever do, every place I've ever been, everywhere I'm going to – it's a sin.“
Auf Deutsch:
„Alles, was ich je getan habe, alles, was ich jemals tun werde, jeder Ort, an dem ich gewesen bin, überall, wohin ich gehe – es ist eine Sünde.“
Am Ende des Liedes erklingt auf Latein das katholische Schuldbekenntnis Confiteor. Damit greift der Song Themen wie Schuldgefühle, religiöse Erziehung und den Konflikt zwischen persönlicher Identität und moralischen Vorstellungen auf.
Neil Tennant erklärte später, dass der Song ursprünglich nicht als schwerwiegende Anklage gedacht gewesen sei. Vielmehr sei er innerhalb weniger Minuten entstanden und habe zunächst einen eher ironischen Charakter gehabt. Rückblickend räumte er jedoch ein, dass möglicherweise mehr persönliche Erfahrungen in den Text eingeflossen seien, als ihm damals bewusst gewesen sei.
Kontroversen
Nach der Veröffentlichung sorgte It's a Sin für Diskussionen. Die Zeitung Newcastle Evening Chronicle bezeichnete das Lied als Angriff auf die religiösen Werte der Schule, die Tennant besucht hatte.
Vertreter der St. Cuthbert's High School warfen ihm vor, seine Schulzeit und den katholischen Glauben verzerrt darzustellen. Neil Tennant kritisierte wiederum, dass sich seine ehemaligen Lehrer nur anonym äußerten, und betonte, wie belastend die öffentliche Debatte für seine Familie gewesen sei.
Eine weitere Kontroverse entstand, als der britische Moderator und Produzent Jonathan King behauptete, die Melodie von It's a Sin sei dem Song Wild World von Cat Stevens zu ähnlich. Um seine Behauptung zu untermauern, veröffentlichte er sogar eine eigene Version von Wild World.
Die Pet Shop Boys verklagten Jonathan King erfolgreich wegen Verleumdung. Der außergerichtlich erzielte Schadenersatz wurde für wohltätige Zwecke gespendet.
Kommerzieller Erfolg
It's a Sin entwickelte sich zu einem weltweiten Erfolg und erreichte Platz eins der Charts in zahlreichen Ländern, darunter Großbritannien, Deutschland, Österreich, die Schweiz, Spanien, Schweden, Norwegen, Irland und Portugal.
In den amerikanischen Billboard Hot 100 erreichte die Single Platz neun. Auch in Kanada, Australien und Neuseeland gehörte der Titel zu den größten Hits des Jahres.
Heute zählt It's a Sin zu den bedeutendsten Songs der Pet Shop Boys. Mit seiner Mischung aus Pop, Drama und gesellschaftlicher Aussagekraft gilt das Lied bis heute als einer der prägenden Klassiker der 1980er Jahre.